“UWC hat mir schon früh die interkulturellen Fähigkeiten vermittelt, die für eine effektive internationale Arbeit unerlässlich sind.”
Daniel Mittler (Pearson College 1990-1992) ist der Politische Direktor von Greenpeace International. Von 2008 bis 2010 hat er das Deutschlandprogramm der European Climate Foundation geleitet und erfolgreich 10 neue Kohlekraftwerke in Deutschland verhindert. Von 2004-2008 war er als Politischer Berater schon einmal bei Greenpeace International beschäftigt. Er koordinierte die Greenpeace-Arbeit zu Welthandel, G8 und internationalen Finanzinstitutionen und nahm an den globalen Klimakonferenzen aktiv teil.
Von 2000-2004 war Daniel Mittler Leiter der Abteilung für internationale Umweltpolitik beim BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland). Von 2000-2002 war er zusätzlich ‘Earth Summit Coordinator’ für das internationale Netzwerk des BUND: Friends of the Earth International. In dieser Funktion leitete er eine globale Gruppe von Aktivisten an, die den UN-Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung (WSSD) zu beeinflussen suchten. Der Weltgipfel fand im September 2002 in Johannesburg statt und war der größte UN-Gipfel aller Zeiten. Daniel Mittler ist ausserdem einer der Initiatoren der McPlanet.com Kongresse, die alle zwei Jahr stattfinden und in der Mitgliederversammlung der Heinrich Böll Stiftung.
Daniel hat einen Magister in Politikwissenschaft von der Universität Edinburgh und hat außerdem an der Queen’s University in Kanada und am University College in London Politik, Afrikanistik und Stadtplanung studiert.
“UWC hat mich auf vielfältigste Weise beeinflusst – ich habe z.B. meine Frau über das deutsche UWC-Network kennengelernt. Wir sind dort beide aktiv, um UWC in Deutschland bekannter zu machen. Ich bin auch schon einige Male Auswähler gewesen. Es ist ein echtes Privileg, die engagierten jungen Männer und Frauen kennenzulernen, die jedes Jahr auf das Auswahlwochende kommen. Und es ist jedes Mal sehr schwer zu entscheiden, wer nicht dabei sein soll. Viel mehr Menschen hätten es verdient, eine UWC-Ausbildung zu genießen!
“Auch die Tatsache, dass ich viel global arbeite, hat viel mit meiner UWC-Erfahrung zu tun. UWC hat mir schon früh die interkulturellen Fähigkeiten vermittelt, die für eine effektive internationale Arbeit unerlässlich sind. Kein Wunder, dass mir gerade bei internationalen Verhandlungen immer wieder andere UWCler über den Weg laufen! Interkultureller Dialog ist nicht einfach – und kulturell offen und tolerant zu bleiben, wenn man bei der Arbeit unter Zeit und Erwartungsdruck steht, ist um so schwerer. Deutsche haben international, was ihre interkulturellen Fähigkeiten angeht, keinen guten Ruf. Wir sind oft zu direkt – und was in Deutschland normaler Umgangston ist, kann anderswo leicht als arrogant oder verletzend wahrgenommen werden. Es freut mich deswegen immer besonders, wenn KollegInnen aus Asien, Afrika und Lateinamerika sagen, dass man mit mir gut zusammen arbeiten kann oder, dass ich offener und umgänglicher bin als andere Deutsche, mit denen sie zusammengearbeitet haben. (Ob’s wahr ist, kann ich natürlich nicht beurteilen!)
“Wenn man die Chance hatte, mit Menschen aus anderen Kulturen sehr früh zusammen zu leben, dann lernt man sich auf andere Menschen einzustellen und über das eigene Verhalten kritisch zu reflektieren. Ein kleines Collegezimmer mit drei anderen Jugendlichen zu teilen, lehrt einem sehr schnell, dass es viele verschiedene Wege gibt, sein Leben zu leben. Diese Erfahrung hat bis heute eine entscheidende Wirkung auf die Art und Weise, wie ich arbeite und lebe. Sie macht mich toleranter – und vielleicht auch gelassener.
“Als ich am College war, tobte der 1991er Golfkrieg. Ich organisierte damals eine Fastenwoche und editierte ein Gedichtsbuch gegen den Krieg, das War No More hiess und in dem auch SchülerInnen aus anderen UWCs zu Wort kamen. Am College hatten wir Schüler, deren Familien auf beiden Seiten den Krieg direkt zu spüren bekamen bzw. daran beteiligt waren. Natürlich führte dies zu Spannungen. Der Krieg war nicht weit weg, er war unter uns. Gleichzeitig war ein Dialog am College, wenn auch schwierig, zumindest noch möglich. Das war ein Moment, in dem das College wirklich das Prinzip der Menschlichkeit lebte und Menschen als Individuen ernst und wahrgenommen wurden – unabhängig von Herkunft oder Religion.
“Ich erinnere mich an viele Momente, gerade am Anfang der Collegezeit, wo das Aufeinandertreffen verschiedener Kulturen zu Verwirrungen, Reibungen, aber auch Humor führten. So war z.B. die erste Tat meines amerikanischen Zimmermitbewohners, ein Lenin-Plakat aufzuhängen. Er war kein Leninist, aber er war im Sommer zuvor in Moskau gewesen; das Plakat erinnerte ihn an die aufregende Zeit dort. Als mein anderer Mitbewohner das Zimmer betrat, wurde er kreidebleich. Seine Eltern waren 1968 vor den sowjetischen Panzern aus Prag geflohen… Es folgten hektische Verhandlungen und Diskussionen darüber, was ein Leninbild für meine beiden Zimmernachbarn jeweils bedeutete. Der Kompromiss war einfach: Lenin hing den Rest des Jahres auf dem Kopf! Und nebenbei hatten wir alle gelernt, was es bedeutet, dass Menschen die Welt unterschiedlich wahrnehmen und deuten. Ein echter UWC-Moment.”