Tina, UWC-USA 08-10

„UWC gibt dir so viele Möglichkeiten für physische, emotionale und akademische Herausforderungen, dass es niemals langweilig wird.”

Draußen donnert, stürmt und regnet es. Mein Team und ich haben es endlich geschafft, unser Zelt aufzubauen und zu stabilisieren. Schon seit zwei Stunden sind wir bei Regen und Sturm mitten in der Wildnis irgendwo in New Mexico damit beschäftigt, unsere Unterkunft für die Nacht zu sichern. Es ist eiskalt, da wir alle bis zu unserer Unterwäsche nass sind. Ich hole ein paar Snacks für alle aus meiner Tasche und wir setzen uns in einem Kreis zusammen. Plötzlich überkommt mich ein wahnsinniges Glücksgefühl. Wir sind zwar alle unglaublich erschöpft und kurz davor, uns eine Erkältung zu holen, aber wir haben es als Team geschafft. Uns allen ist sehr kalt und keiner hatte Lust weiter zu kämpfen, aber jeder versucht weiter die Stangen stabil zu halten und die Haken mit den Strängen tief in den matschigen Boden zu hauen, weil jeder weiss, dass wir es nur zusammen schaffen können. Nun sitzen wir hier, “united” unter einem Zelt, einer aus Indien, ein anderer aus Kanada, eine aus Mexico und eine andere aus Äthiopien, und ich aus Deutschland, und schauen uns mit breitem Lächeln an. Plötzlich fingen wir an laut zu jubeln und versuchten mit Singen den Donner zu übertönen. Wir sind so glücklich und sehr stolz auf uns.

Vor allem: dieses Team ist ganz zufällig so zusammen geworfen. Es ergab sich, dass wir alle Schüler waren, die keine gemeinsame Klasse oder andere Hobbies außer “Wilderness” hatten und die in unterschiedlichen Häusern lebten, so dass wir vor der Expedition noch nicht so viel miteinander geredet haben. Natürlich kennen sich irgendwie schon alle auf dem 200-Schüler-UWC-USA-Campus, aber oft hat man sich mit den meisten Leuten noch nicht unterhalten und weiß über einige Schulkameraden viele Dinge nicht, die man gerne wissen würde. Doch über so eine Expedition lernt man so viel über seine Teammitglieder und baut mit ihnen enge Verbindungen auf.

Wir alle sind gerade dabei, die Ausbildung als Wilderness Leader abzuschließen und diese Expedition ist nach “First Aid”, “Campus Camp”, “Map Orientation” und “Campskills” unser letzter zu bewältigende Test. UWC gibt dir so viele Möglichkeiten für physische, emotionale und akademische Herausforderungen, dass es niemals langweilig wird. Ich habe sehr viele Interessen in mir entdeckt, die ich nie von mir erwartet hätte, zum Beispiel “Wilderness”.

Später, nachdem wir unseren Snack aufgegessen haben, kriechen wir alle in unsere Schlafsäcke und machen unsere Augen zu. Es ist immer noch eiskalt und meine Klamotten sowie auch mein Schlafsack sind nass. Wir waren vor ca. drei Stunden schon dabei einzuschlafen, als plötzlich der Sturm und der Regen aufkamen und immernoch nicht nachgelassen haben. Aber endlich sind wir unter dem Zelt. Obwohl ich mitten in der Wildnis unter Donnern und Blitzen in einem kleinen Zelt schlafe mit Leuten, die sich so von mir unterscheiden und die ich eigentlich erst in dieser zweitägigen Expedition richtig kennengelernt habe, fühle ich mich sehr sicher und wohl, weil ich ihnen vertraue. Da denke ich mir, wenn es im Großen so wäre wie hier im Kleinen, könnte die ganze Welt so friedlich sein!

Tina auf ihrer Expedition in New Mexico