Marieke, Atlantic College 08-10

„Einzigartig, inspirierend, anstrengend, überwältigend, intensiv, schlafraubend, herausfordernd, verbindend… die folgenden zwei Jahre lassen sich kaum in Worte fassen.“

Bei meiner Ankunft in St. Donats, Wales, war es stockdunkel. Nur die Scheinwerfer des Busses aus Heathrow warfen grelle Lichtkegel auf eine Horde scheinbar wildgewordener Secondyears, die schreiend und auf Töpfe und Pfannen schlagend ihre neuen Firstyears begrüßten, Fahnen schwenkten und vor den Fensterscheiben des Busses auf- und ab hüpften, um einen Blick auf die Neuankömmlinge zu erhaschen. Der Lärm steigerte sich ins Unermessliche, als sich die Bus-Tür mit einem Zischen öffnete. Dann wurden wir aufgefordert, einzeln aus dem Bus zu steigen und unseren Namen und Herkunftsland zu rufen, um daraufhin geräuschvoll willkommen geheißen zu werden. „Marieke, Germany!“ brachte ich mühsam hervor, als ich an der Reihe war und spürte, wie ich vor Aufregung knallrot anlief. Der Beginn meines Lebens am United World College of the Atlantic.

Einzigartig, inspirierend, anstrengend, überwältigend, intensiv, schlafraubend, herausfordernd, verbindend… die folgenden zwei Jahre lassen sich kaum in Worte fassen. Wir haben in Cardiff gegen die Mauer im Westjordanland protestiert, lange Wanderungen durch die Walisischen Landschaft gemacht und bis spät in die Nacht über Demokratie, arabische Hochzeiten und Homosexualität diskutiert. Wir haben mit Demenzkranken Musik gemacht, bei Mondschein im Bristol Channel gebadet und Berge schmutzigen Geschirrs abgewaschen. Gemeinsam haben wir von einer gerechten Welt und besserem Essen geträumt, uns darüber gestritten, ob man auf Atomenergie verzichten sollte, oder darüber, wer mal wieder das Zimmer nicht gesaugt hatte.

Ich habe Freunde aus aller Welt gefunden und unbeschreiblich viel von ihnen gelernt. Zum Beispiel, dass die Menschen in Gibraltar einen Mix aus Spanisch und Englisch sprechen und sogar ihre Zeitungen in „Spanglish“ geschrieben sind. Dass das Flüchtlingscamp, in dem meine Zimmermitbewohnerin aus Palästina für lange Zeit lebte, nicht etwa einem großen Zeltplatz gleicht, sondern ein Bereich in der Stadt mit ganz gewöhnlichen Häusern ist. Dass sich Norweger ohne Probleme mit Schweden und Dänen in ihren eigenen Sprachen unterhalten können, Schweden und Dänen hingegen kaum ein Wort des anderen verstehen. Dass ich eine außerordentliche Chance bekommen habe, für deren Verwirklichung ich meiner Sponsorin, Dr. Barbara Krebs-Gehlen, unglaublich dankbar bin.

Auf Exkursion...