„In den zwei Jahren in Mostar habe ich nicht nur viele neue Freundschaften geschlossen, neue Länder entdeckt und Erfahrungen gemacht, ich habe auch sehr viel gelernt.“
Bereits während meiner Zeit am UWC ist mir aufgefallen, wie sehr wir uns entwickeln und wie schnell wir selbstständiger und erwachsener geworden sind. Das UWC in Mostar war eine der bedeutendsten Erfahrungen, die ich in meinem Leben gemacht habe. Mostar ist mein Zuhause geworden. Dort habe ich Freunde fürs Leben gefunden; Schulkameraden, Lehrer und auch Nicht-UWCler aus Mostar und Bosnien-Herzegowina. Zusammen haben wir nicht nur unseren Unterrichtsstoff gelernt, sondern auch viel über uns selbst.
Die langen Gespräche über Gott und die Welt bis spät abends in die Nacht, Gitarre spielen am Lagerfeuer während einer Wanderung in den Bergen, spielen mit den Kindern im Flüchtlingslager; all diese Momente werde ich nie vergessen, da es eben diese kleinen Erfahrungen sind, die meine zwei Jahre einzigartig gemacht haben.
Als ich zu Beginn nach Mostar kam, war noch alles neu und aufregend. Man musste sich in einem fremden Land und einer neuen Kultur zurechtfinden, war nicht mehr wohlbehütet zu Hause in Deutschland, sondern musste lernen, Verantwortung zu übernehmen. In Mostar wurden wir vielleicht mehr als an jedem anderen College in “das kalte Wasser geworfen“. Mitten in einer Stadt mussten wir in einer Sprache kommunizieren, die (zumindest ein Großteil) nicht kannte. Wir erkannten schnell, dass unser College noch sehr jung ist; dass es noch keine eingeschweißte Organisation gibt; ganz einfach weil zwei Jahre nicht genug Zeit sind, um Routine eintreten zu lassen. Schnell haben wir das Positive daraus geschlossen: Es liegt an uns, Traditionen zu entwickeln und es liegt an uns, dem College auf seinem langen und vielversprechenden Weg zu helfen.
War ich vor zwei Jahren noch etwas schüchtern und hielt mich gern im Hintergrund des Geschehens, habe ich in Mostar gelernt, selbstbewusst zu sein und Verantwortung für mich selbst und andere zu übernehmen. In meinem zweiten Jahr wurde ich Leiterin des “Refugee Camp Service”, habe zunehmend Projekte selber organisiert und gelernt, Probleme zusammen mit meinen Freunden zu meistern, anstatt ihnen aus dem Weg zu gehen.
Natürlich sind wir traurig, dass die zwei Jahre zu Ende gehen und der Abschied war schwer und tränenreich. Doch ich sehe meine Zeit in Mostar als Möglichkeit auch in der Zukunft den UWC-Spirit zu verbreiten und die Dinge, die ich gelernt habe, weiterhin anzuwenden. Ich werde Geschichte und Politik studieren und habe bereits Angebote von der University of Oxford und University of Warwick in Großbritannien. Nun warte ich auf die Ergebnisse meiner Prüfungen, welche entscheiden, wo ich die nächsten Jahre verbringen werde.