Felix, UWC Mahindra College 10-12

„UWC ist das, was man daraus macht“

Es ist Samstagabend 23:00 Uhr, ich gehe aus dem Flughafengebäude heraus, die Luftfeuchtigkeit ist extrem hoch und ich steige in einen Jeep Richtung Mahindra United World College of India. Ich sehe Rikschas, die Luft riecht extrem anders, überall Leute, kleine Straßenshops, Kinder die um Geld betteln und kaum etwas anhaben. Das ist also das Land, wo ich die nächsten 2 Jahre verbringen werde – das, wovon ich geträumt habe, ist in Erfüllung gegangen: Ein ganz anderes Land kennenlernen. Es wird noch ganze 8 Stunden dauern bis wir das College erreicht haben.

Auf dem College angekommen sind überall Leute, die einen neugierig anschauen und mit mir reden wollen. Etwas schüchtern sage ich meinen Namen und woher ich komme, dann sehe ich zum ersten Mal mein Zimmer, das ich mir mit 3 weiteren Leuten teile. „WOW“, das ist alles was ich sagen kann und es ist noch gar nicht an schlafen zu denken.

In meinem ersten halben Jahr passierte unglaublich viel, alles war ungewohnt und total spannend, angefangen vom Zimmerteilen, über neue Leute aus allen Teilen der Welt kennenzulernen, bis hin zu der Frage, wie denn jetzt die Waschmaschine zu bedienen sei. Und all das, was ich mir vorher so gut wie gar nicht vorstellen konnte, ist für mich heute Alltag. Ich teile mir ein Zimmer mit 3 weiteren Leuten aus Indien, Bangladesch und Indonesien, das Bad wird mit insgesamt 8 Leuten geteilt. Fast jeden Abend stehen wir gemeinsam am Herd und kochen – und wenn einmal eine Zutat fehlt, dann gehen wir zu Lehrern, um uns etwas auszuleihen. Das Komische an der Sache ist, dass es nicht nur zum Alltag für mich geworden ist, sondern ich vermisse es bereits. Ich kann mir ein Leben ohne gemeinsames Kochen, ohne ein Zimmer, in dem immer Leute sind, nicht mehr vorstellen. Wenn ich jetzt während der Winterferien zu Hause bin und in meinem Bett liege, merke ich erst, das UWC so viel mehr ist als ich dachte, und wie sehr ich meine Freunde von dort schon nach 2 Wochen wieder vermisse. Denn es schweißt ungemein zusammen, das eigene, selbstständige Leben zu erkunden.

Das schöne Zitat „gemeinsam sind wir stark“, was zwar häufig gesagt wird, jedoch wenig erlebbar ist, passt für mich zu keinem anderen Projekt so gut wie zu UWC. Und es war auch für mich das erste Mal, dieses Zitat hautnah erlebt zu haben. Gemeinsam erforschen Teenager aus allen Teilen der Welt, von denen jeder einzelne anders denkt, wie es ist ohne Mutter oder Vater zu leben, was alles wirklich dazugehört zu einem selbstständigen Leben, und so schwer es in bestimmten Situationen auch sein mag, jeder hilft jedem und ist für einen da, auch wenn man sich erst seit kurzem kennt. Dies ist bestimmt einer der Hauptgründe, der mich so oft skypen lässt wie noch nie zuvor. Man kann es kaum erwarten, einander wieder zu sehen, möchte wissen, wie es den anderen Leuten zu Hause ergeht.

Ob man unter dem Abendhimmel Indiens Fußball spielen oder in einem der Dörfer Kindern Englisch beibringen möchte, UWC bietet für jeden etwas und es liegt ganz allein an dem Schüler selber, wie er UWC erleben möchte, wie er seine Schwerpunkte setzt. UWC gibt einen Rahmen vor, in dem wir das Glück haben, uns sehr frei entfalten zu dürfen. Für mich war es das beste halbe Jahr meines Lebens, packend, aufregend und immer voller ’Action’ und ich kann mir nicht mehr vorstellen irgendwo anders zur Schule zu gehen und muss ein wenig lachen, wenn ich daran denke, dass ich vor einem halben Jahr noch nicht einmal wusste wie man eine Waschmaschine bedient.

Ich bin bereit und freue mich riesig auf meinen 2. Term in Indien, und kann es kaum erwarten „gemeinsam sind wir stark“ wieder hautnah zu erleben.