Caroline, UWC Mostar 09-11

„Ein UWC ist wie eine Weltmeisterschaft.“

Verschiedene Länder, versammelt an einem Ort, für eine bestimmte Zeit, alle verbindet die Leidenschaft und alle lernen von einander. Wer würde schon nicht gerne so gut mit dem Ball umgehen können wie die Brasilianer? Wer würde nicht gerne aus einem Land so reich an Schönheit wie Curacao stammen? Während viele Länder mir nur oberflächlich bekannt waren, haben diese nun, nach einem Jahr UWC, Gesichter bekommen.

Curacao - Damaris mit einem breiten Lächeln im Gesicht unter einer Palme in der Karibik.
Israel - Yuly , bald Teil der israelischen Armee
Sudan - Clement, danach strebend Präsident zu werden und Frieden über das Land zu bringen
Swasiland - Mfundi beim Hühner jagen
Irak - Hussein, immer die Angst im Hinterkopf jemanden während eines Anschlags zu verlieren

Wie kann es sein, dass diese Gesichter sich so sehr verändern, abhängig davon, wo sie sind? Das Land in dem wir uns befinden spielt kaum eine Rolle mehr – jeder ist auf der gleichen Ebene, Probleme und neue sowie auch alte Erfahrungen werden geteilt und wir entwickeln uns weiter, individuell und auch zusammen als United World College in Mostar. Die Situationen, die wir bewältigen müssen, bringen uns näher zusammen und als großes Team treten wir bei dieser Weltmeisterschaft an, jeder das einbringend, was er von zu Hause mitgebracht hat.

Das United World College in Mostar unterscheidet sich sehr von den anderen Colleges: Die Postkrieg-Gegend, ein Leben in der geteilten Stadt und die Schönheit dieser Stadt, kreiert durch den Kontrast von modernen neuen Gebäuden neben alten Ruinen. Dennoch haben wir mit einigen Problemen zu kämpfen. Jedes Jahr bangen wir um eine neue Generation von Schülern, da unsere Schule viel mehr Spenden braucht. Unsere Integration in die Stadt und die Menschen macht nur kleine Fortschritte. Natürlich ist es nur menschlich, dass man den Prozess des Friedensaufbaus nicht erzwingen kann …

Wie kann es sein, dass an einem Ort wie Mostar, wo so viel noch getan werden kann, wir jedes Jahr um unsere Existenz als UWC bangen müssen? Wo sonst steht das College inklusive Gymnasiums direkt an der ehemaligen Front eines Krieges von vor 15 Jahren, und wo sonst wird man direkt an der Kreuzung vor der Schule von Roma Kindern um Geld angebettelt?

Dieses Schuljahr war ein voller Erfolg, der mit vielen Änderungen nun zu Ende ging. Unser Schulleiter, Paul Regan, der das UWCiM seit der Eröffnung 2006 begleitet hat, wird uns verlassen und in Indien eine neue IB Schule eröffnen.

Persönlich sind wir mit dem Betreten des UWC sind wir das Risiko eingegangen Menschen nach zwei oder weniger Jahren ziehen lassen zu müssen- doch scheint das, schwerer als gedacht. Die Ersatzfamilie, die sich in einem Jahr gebildet hat wird auseinandergerissen, jedoch wird diese Familie Nachwuchs bekommen! Nächstes Jahr werden wir ohne unsere sogenannten “Second years” (die bereits ihr zweites Jahr am College verbringen) klar kommen müssen. Diese Position, die Erfahrenen zu sein, wird in unsere Verantwortung gelegt. Mit Sicherheit wird das nächste Jahr genau so gut wie das letzte, nur eben mit unseren “First years” (also der neuen Schülergeneration).

Unsere ganz persönliche Weltmeisterschaft wird nächstes Jahr von mehr Ländern verstärkt und zusammen werden wir weiter an unserer Mission arbeiten, die besagt, dass wir darauf hinarbeiten- zum Frieden in Mostar und Bosnien und Herzegowina beizutragen. Teamwork ist eines der wichtigsten Elemente bei einem Teamsport und kombiniert mit der Tatsache, dass wir alle jung sind, sowie auch fit, sind perfekte Voraussetzungen für ein Tor gegeben.

UWC: die Weltmeisterschaft bei der man zusammen alles Mögliche tut. Ich freue mich auf die zweite Halbzeit.

Caroline mit anderen UWC-SchülerInnen

Das Flaggenmeer in Mostar