Das International Baccalaureate – mehr als ein Abitur im Ausland
An allen Colleges bis auf Simón Bolivar in Venezuela wird das International Baccalaureate, kurz IB, unterrichtet. Das IB ist in etwa vergleichbar mit dem Abitur und wird in Deutschland auch als solches anerkannt, wenn man sich an die Richtlinien der Kultusministerkonferenz hält. Diese sollen eine größtmögliche Vergleichbarkeit mit dem Abitur gewährleisten sollen. (Siehe hierzu auch den aktuellen Beschluss der KMK.) International hat das IB einen sehr guten Ruf und viele Universitäten nehmen gerne IB-Absolventen, da sie für ihre Erfahrung im selbständigen Arbeiten bekannt sind.
Das IB wird weltweit in drei Sprachen angeboten, Englisch, Französisch und Spanisch und wird an allen Colleges in Englisch unterrichtet. Am College in Kanada können auch Kurse auf Französisch belegt werden, in Costa Rica gibt es das Angebot auch auf Spanisch Fächer zu belegen. Der Lehrplan des IB wird zentral von der International Baccalaureate Organisation (IBO) in Genf erarbeitet und wird den Schülern zur Verfügung gestellt, was das Lernen erleichtert. Die IBO nimmt auch die Prüfungen ab.
Im IB belegt man anders als in Deutschland nur sechs Fächer, drei davon als Haupt-, drei als Nebenfächer. Das bedeutet aber keineswegs, dass das IB weniger Arbeit als ein Abitur wäre, denn neben dem Unterricht gehört auch die Teilnahme an dem sogenannten CAS-Programm – Creativity, Action, Service – zum IB dazu.
Jede Schülerin und jeder Schüler belegt pro Halbjahr mindestens eine Sportart, mindestens eine kreative Arbeitsgemeinschaft und engagiert sich in mindestens einem ‚Social Service’ bzw. ‚Community Service’.
Bei der Wahl der Fächer wird darauf geachtet, dass eine möglichst große Bandbreite abgedeckt wird. So müssen als zwei von den sechs Fächern Sprachen gewählt werden, eine davon auf Muttersprachenniveau. Des weiteren sind eine Naturwissenschaft und eine Geisteswissenschaft vorgeschrieben, auch Mathe ist Pflicht. Das sechste Fach ist aus allen genannten Bereichen und künstlerischen Fächern frei wählbar.
Zusätzlich zu den sechs Unterrichtsfächern und dem CAS-Programm gehören zum IB außerdem der Besuch des interdisziplinären Kurses ‚Theory of Knowledge’ und das Recherchieren und Schreiben einer fachlichen Abschlussarbeit von ca. 4.000 Wörtern (‚Extended Essay’). Das Ziel des ,Theory of Knowledge’ – Kurses ist es den Schülern kritisches Denken und Hinterfragen beizubringen. Hier spielen Fragen “Wie kann ich etwas wissen?”, “Was ist Kunst?” und “Gibt es Wahrheit in der Geschichte?” eine Rolle. Der ,Extended Essay’ hingegen fordert von den Schülern selbstständiges Arbeiten an einem größeren Thema und beinhaltet gerade in den Naturwissenschaften oft auch viele Stunden im Labor.
Der Unterricht an den Colleges wird in kleinen Gruppen von maximal 25 Schülern abgehalten, meist sind es sogar nur 6-12. Dies ermöglicht den Unterricht interaktiv zu gestalten, die Schüler werden dazu aufgefordert sich aktiv zu beteiligen und mitzudiskutieren. In vielen Colleges ist fast jeder Klassenzimmer mit einem Computer und einem Projektor ausgestattet, manchmal sogar mit einem Smartboard. Dies erleichtert auch Präsentationen, in denen Schüler ein Thema, das sie in Kleingruppen erarbeitet haben, vorstellen.
In vielen Stunden wird die im Klassenzimmer versammelte Internationalität genutzt, in dem Schüler den im Unterricht behandelten Stoff durch Beispiele aus ihrer Heimat veranschaulichen. Dies macht gerade Geographie- und Geschichtsunterricht, aber auch Wirtschafts- und Sprachunterricht besonders spannend.
Als Hausaufgaben sind oft Aufsätze zu schreiben oder in Gruppen Themen zu erarbeiten und eine Präsentation vorzubereiten. Dafür stehen in den Computerräumen und der Bibliothek ausreichend Computer zur Verfügung, es muss also nicht jeder Schüler seinen eigenen Laptop mitbringen.
Die Naturwissenschaften werden oft direkt im Laboratorium abgehalten, denn im Schnitt werden mindestens eine Stunde pro Woche Versuche durchgeführt. Auch dies machen die Schüler eigenverantwortlich in kleineren Gruppen, bereiten ihre Arbeit vor und schreiben anschließend Berichte. Der Lehrer steht dabei im Hintergrund für Fragen und Diskussionen zur Verfügung.
Schüler arbeiten im Biologie-Laboratorium von Pearson College an ihren Versuchen
In vielen Fächern stehen auch Exkursionen auf dem Stundenplan, sei es in Geschichte ein Museum zu besuchen, in Geographie Strandformationen zu vermessen oder in Biologie Sandwürmer auszubuddeln, meist erlauben sie einen faszinierenden Blick in die umliegende Natur oder Kultur.
Die Sozialdienste und Arbeitsgemeinschaften sind die wichtigsten Pfeiler des Lebens an den Colleges und von College zu College sehr verschieden, denn sie richten sich an den geographischen, sozialen und kulturellen Gegebenheiten vor Ort aus:
Gemeinschaftsdienste (‘community services’):
Arbeit in der Gemeinde, Forstpflege, Arbeit auf der College-Farm, Seedienst, Umweltdienst, Tauchdienst, Mitarbeit in der Bibliothek und andere.
Rettungsdienste (‘rescue services’): Seenotrettungsdienst, Klippen- und Bergrettung, Küsten- und Strandrettung, Wildnis-, Such- und Rettungsdienst, Erste Hilfe, Arbeit mit alten Menschen, Nachhilfe für Einwandererkinder, Freizeitaktivitäten für Menschen mit Behinderungen…
Im künstlerisch-musischen Bereich bieten die Colleges zum Beispiel an: Instrumentalmusik, Orchester, Singen, Chor, Zeichnen, Malen, Plastisches Gestalten, Weben, Töpfern, Photographie, Theaterspiel, Tanzen, Handwerk und viele Schüler bieten auch Unterricht in ihrer Muttersprache an.
Im sportlichen Bereich stehen unter anderem zur Auswahl: Schwimmen, Segeln, Kanu/Kajak, Tauchen, Klettern, Bergwandern, Skilaufen, Rugby, Fußball, Tennis, Karate, Leichtathletik, Waldlauf.
Im kreativen Bereich können sich die Schülerinnen und Schüler in verschiedenen Gruppen zu aktuellen weltpolitischen Themen organisieren, oder sie engagieren sich für Projekte von Amnesty International, Greenpeace oder der UNESCO.
Zusammenfassend ist das IB als Schulabschluss eine ausgezeichnete Wahl für Schüler, die mit dem Gedanken spielen, ihr Abitur im Ausland zu absolvieren, um ihrem Berufsweg schon früh eine internationale Ausrichtung zu geben.
